MUMBAI - LIEBE AUF DEN 2. BLICK

„Incredible India“. Damit wirbt das zweit bevölkerungsreichste Land weltweit seine Touristen. Gefüllt mit unglaublichen Düften und unglaublichem Gestank, voll mit unglaublichen Farben, Traditionen und einer unglaublichen Vielfalt an Landschaften. Es ist wahr, Indien ist in der Tat unglaublich.

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Verdreckte Straßen, unterernährte Kinder und Millionen von Menschen die zwischen Ratten und Müllbergen täglich um ihr Überleben kämpfen. Überwältigende Eindrücke, die wir aus den Medien kennen. Bilder mit einem wahren Kern. Aber auch Bilder die so vorurteilsfrei sind wie das Klischee, dass alle Deutschen Lederhosen tragen und sich nur von Brezeln und Sauerkraut ernähren.

Mumbai ist ohne Frage ein Ort voll alter Kultur, Lebensfreude und Armut. Dank meines Modeljobs hatte ich 4 Monate Zeit die pulsierende, fazinierende Metropole kennen zulernen.

 

Gateway of India im Stadtteil Colaba

Gateway of India im Stadtteil Colaba

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Indien war eigentlich nie geplant. Als mich meine Agenturchefin ein paar Wochen zuvor fragte ob ich Lust hätte ein paar Monate in Indien zu arbeiten, war ich erst mal aus dem Häuschen.  Alleine? So weit weg? Nach einer kurzen Bedenkzeit war ich fest entschlossen. Meine Abenteuerlust war geweckt!

Dass ich ein Land, das mich so schockierte, so tief ins Herz schließen konnte, hätte ich, als letzten Herbst am Flughafen Tegel meine Reise begann, nie erwartet.

Nach einem 11 Stunden Flug, mit einem überraschend scharfem Flugzeugbankett, brachte mich der Agenturfahrer zunächst ins Agenturoffice, wo ich so liebevoll begrüßt wurde, dass sämtlicher Kulturschock erst mal vergessen war.

In Mumbai leben über 12 Mio. Menschen und dementsprechend chaotisch und vermüllt sieht das Leben auf der Straße aus. Nur selten stößt man auf wirklich schöne Plätzchen wie die Promenade der Carter Road im Stadtteil Bandra. Nicht nur das weitaus beste Shawarma der Stadt (das mir als bitter nötiger Döner-Ersatz diente) lockt hier. Der beliebte Hangout-Spot hat darüber hinaus auch eine traumhafte Aussicht auf den Indischen Ozean zu bieten.

 

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Außerdem ein Muss für alle Naturfanatiker; Die Kanherri Caves im Sanjay-Gandhi-Nationalpark. Neben einer Unzahl von Affen und den antiken Höhlen, gibt es hier den paradiesischsten Panoramablick über das hüglige Naturschutzgebiet zu bestaunen.

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Der Arbeitsalltag gestaltete sich Dank Einfluss der westlichen Mode- und Werbeindustrie recht gewohnt. Casting hier, Fitting dort, da mal ein charmantes Lächeln zeigen und wenn es sein muss auch mal das Tanzbein schwingen. Ja, wer hier auf Bollywood steht ist klar im Vorteil!

Ich habe schon viele verschiedene Städte gesehen. der Unterschied zwischen Armut und Reichtum erscheint mir in Mumbai besonders groß. Daran werden wir in unserem „kleinen“ Modelapartment bei jedem Gang vor die Tür erinnert. Mitten auf der Straße haben sich ganze Familien ein Zuhause eingerichtet. Es wird auf dem Bürgersteig gewaschen, gekocht und geschlafen. Wir sehen Frauen auf dem Gehweg Blumenkränze binden und halbnackte Kinder auf der Straße spielen. Zwei Blocks weiter in Bandra West hausen bekannte Bollywoodstars  wie Shahrukh Khan und Kareena Kapoor in ihren Luxusapartments. Zwei Parallelwelten treffen aufeinander.

 

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Ein Großteil der Einwohner hat ohne Zweifel ein hartes Leben am Existenzminimum zu führen. Viele junge Menschen müssen mit ihrer Arbeit nicht nur sich selbst, sondern meist die ganze Familie ernähren. Doch was den Indern finanziell fehlt, gleichen sie mit ihrer Offenherzigkeit und Neugier wieder aus. Keinem von uns ist es schwer gefallen neue Freunde zu finden. Die Partylaune der Menschen macht sich vor allem im Nightlife bemerkbar. Ein imposanter Club jagt den nächsten.

Über Indien kann man natürlich nicht schreiben ohne das fabelhafte Essen zu erwähnen. Für Vegetarier ist Indien der reinste Himmel. Und das Beste: Es ist nicht nur preiswert, sondern schmeckt auch wirklich gut! Neben dem traditionell indischen Streetfood (das bitte mit Vorsicht zu genießen ist), hat Mumbai auch ein vielfältiges Repertoire an ausgezeichneter, internationaler Küche zu bieten. 

Ich bin mir sicher, dass ich in den 4 Monaten nicht einmal einen Bruchteil Indiens kennengelernt habe. Denn wer morgens bis abends von Casting zu Job und von Job zu Fitting rauscht hat leider nicht viel Zeit um groß auf Entdeckungsreise zu gehen. Auch wenn ich dank eines Jobs einige Wochen in der Süd-indischen Stadt Bangalore verbringen konnte, wird mir vor allem ein Ort in Erinnerung bleiben. Gerade weil er so ganz anders, als der Rest Indiens ist.

Ein guter Freund lud mich auf eine Hochzeit in seine Heimatstadt ein. Chandigarh, das ist eine Millionenstadt nördlich von Delhi, wenige Kilometer vor den südlichen Ausläufern des Himalaya gelegen. Chandigarh, die erste moderne Planstadt, soll ein Symbol werden für ein neues, modernes, chaosfreies Indien. Doch auf mich wirken die gewaltigen Betonstraßen, die sich da gegen die Silhouette des Himalaya erheben, beinahe gespenstisch verlassen.

Trotz des etwas tristen Charakters der Stadt wird die indische Hochzeit, voll ausladendem Büffet, prachtvoller Kleidung und ausgelassenem Bollywood-Getanze ein unbezahlbares Erlebnis bleiben. Das Gleiche lässt sich zweifelsfrei über meine Reise nach Indien insgemein sagen.

 

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Bombay. Mumbai. Wie auch immer – ich habe mich verliebt.

Die Stadt mit ihrem rustikalem Charme wird immer einen kleinen Platz in meinem Herzen haben. Wen von euch ebenso die Abenteuerlust gepackt hat und wer das Land wirklich kennen lernen will, kann ich eines mitgeben:

Nehmt euch Zeit!

Nicht jeder verkraftet den Kulturschock so schnell. Auch ich brauchte einige Wochen bis ich angefangen habe, die wirklich schönen Seiten Indiens zu entdecken. Doch es heißt nicht grundlos Incredible India“. Das Land ist unglaublich vielfältig und einzigartig. Überwindet euren inneren Schweinehund und geht auf Expedition. Ihr werdet es nicht bereuen!

 

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